Diagnose: Anlagebedingter Haarausfall

Vor einer wirksamen Behandlung gegen Haarausfall steht die individuelle Diagnose durch den Arzt. Durch ein Gespräch, die körperliche Untersuchung und eine eingehende Haaranalyse kann der Arzt die Ursache in den meisten Fällen eindeutig diagnostizieren: Der erste Schritt für alle, die zurück zu gesundem Haarwuchs finden wollen.

Formen Haarausfall
Stadien der Glatzenbildung
Die ersten, entscheidenden Schritte auf Ihrem aussichtsreichen Weg für den erfolgreichen Erhalt Ihres Haars: Erst wenn der Hautarzt seine Diagnose erstellt hat, kann er dem Betroffenen eine wirksame Therapie gegen die individuelle Form seines Haarausfalls empfehlen. Ein Diagnosegespräch mit dem Betroffenen zum Verlauf des Haarausfalls soll Licht ins Dunkel bringen. Mit einer zusätzlichen körperlichen Untersuchung und einer Haaranalyse kann der Hautarzt dann die jeweilige Ursache eindeutig diagnostizieren.
Männer mit genetisch bedingtem Haarausfall sind im Vorteil, denn ihre Form des Haarausfalls lässt sich bereits mit der Blickdiagnose leicht einordnen. Die Ursachen eines diffusen Haarausfalls sind hingegen schwieriger zu klären.

Blickdiagnose

Mit Hilfe der kombinierten Klassifikation von Hamilton und Norwood kann der Arzt erblich bedingten Haarausfall gut einordnen: Er lässt sich meist schon an den typischen Haarlichtungsmustern erkennen. Schildert der Betroffene dann noch das Vorkommen von Haarausfall in seiner Familie, so untermauert dies die Diagnose.

Verlauf des erblich bedingten Haarausfalls nach Hamilton-Norwood

Klassifizierung Haarausfall
Klassifizierung nach Hamilton-Norwood: Die sieben Stadien der Glatzenbildung
Gemäß der Hamilton-Norwood-Klassifizierung beginnt die Haarlichtung meist an der Schläfenregion. Die so genannten Geheimratsecken beginnen sich auszubilden. In diesem Anfangsstadium ist die Glatzenbildung noch sehr undeutlich. Einige Jahre bis Jahrzehnte lichten sich bei den meisten Männern auch die Haare am Haarwirbel und bilden kahle Stellen. Mit der Zeit dehnen sich die unbehaarten Bereiche weiter aus, bis schließlich nur noch hinten und an den Seiten ein Haarkranz übrig bleibt.

Klassifizierung nach Ludwig

Ludwig Klassifizierung
Klassifizierung der Glatzenbildung nach Ludwig
Bei etwa einem Fünftel der an androgenetischem Haarausfall leidenden Männer treten die klassischen Haarlichtungsmuster nach Hamilton-Norwood nicht auf. Diese Patienten haben einen eher diffusen Haarausfall um den Mittelscheitelbereich. Optisch ähnelt diese Form der weiblichen androgenetischen Alopezie, dem Typ Ludwig.

Diagnosegespräch

Meist führt der Arzt ein ausführliches Diagnosegespräch mit seinem Patienten. Grundsätzlich gilt es abzuklären, welche Art von Haarproblem vorliegt: Ist es Haarausfall (Effluvium)? Oder handelt es sich hierbei um Haarlosigkeit (Alopezie)? Zur genauen Bestimmung des Krankheitstyps helfen die Angaben des Patienten über den täglichen Haarverlust.
Um die Ursache zu klären, wird der Arzt die Vergangenheit des Betroffenen unter die Lupe nehmen, seine Gewohnheiten und Lebensumstände analysieren. Welche Ereignisse könnten den Organismus negativ beeinflusst haben? Ist eventuell Stress der Auslöser? Oder ist der Haarausfall Begleiterscheinung einer Stoffwechselstörung, Schilddrüsenerkrankung oder Pilzinfektion der Kopfhaut? Weiterhin können für die Einordnung des Phänomens 'Haarausfall' auch vorangegangene Phasen des Haarverlustes sowie familiäre Vorbelastungen von Interesse sein.
Um letztendlich zu einem sicheren diagnostischen Ergebnis zu gelangen, berücksichtigt der Arzt auch jahreszeitliche Schwankungen und individuelle Angewohnheiten bei der Haarpflege.

Körperliche Untersuchung

Nicht immer kann der Fachmann den Krankheitstyp und die Ursachen des Haarverlusts sofort diagnostizieren. Weitere Untersuchungen sollen dann Aufschluss darüber geben, ob Haut- und Haarveränderungen vorliegen und welcher Art sie sind.
Abgebrochene Haarreste können beispielsweise auf kosmetische Schäden oder kreisrunden Haarausfall zurückzuführen sein. Dicke Haarschäfte weisen auf eine Störung der Wachstumsphase hin. Außerdem sucht der Arzt auf der Kopfhaut nach Anzeichen für Entzündungen, Schuppenflechte oder Ekzemen. Um eventuell später wieder einsetzenden Haarwuchs prognostizieren zu können, untersucht der Mediziner auch die Haarwurzelstruktur der kahlen Bereiche. Eine feine gänsehautartige Struktur zeigt, dass noch Haarwurzelöffnungen vorhanden sind. Es handelt sich also mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine nicht vernarbende Alopezie. Die Haarwurzeln sind noch intakt und nach einer gewissen Zeit können die Haare wieder sprießen.

Haaranalyse

Im Vorfeld beurteilt der Arzt zuerst die tatsächliche Notwendigkeit einer genauen Haaranalyse. Er bittet seinen Patienten, über mehrere Tage hinweg alle ausfallenden Haare zu sammeln. Verliert der Betroffene tatsächlich täglich mehr als 100 Haare, wird der Arzt den Ursachen auf den Grund gehen. Denn unter Umständen kann eine erblich bedingte oder innere Erkrankung vorliegen.
Leichtes Ziehen an den Haaren gehört zur Haaranalyse
Leichtes Ziehen an den Haaren gehört zur Haaranalyse
Eine medizinische Haaruntersuchung setzt sich aus mehreren Teilschritten zusammen:
1. Epilationstest
Gesunde, im Wachstum befindliche Haare lösen sich nicht bei leichtem Zug. Um zu überprüfen, ob erhöhter Haarausfall vorliegt, greift der Arzt deshalb ein Büschel Haare und zieht vorsichtig daran. Lassen sich mehrere Haare ohne Kraftaufwand an verschiedenen Stellen der Kopfhaut herausziehen, muss das aber noch lange nichts Ernstes sein. Es könnte ein dem natürlichen Haarausfall vorausgehendes, telogenes Effluvium vorliegen. Das heißt, die Haare befinden sich im Ruhestadium des Haarwachstumszyklus und wären ohnehin bald auf natürliche Weise ausgefallen.
Ebenso könnte es sich um das Lose-Anagen-Haar-Syndrom handeln. In diesem Fall umschließt die innere Haarwurzelscheide nicht passgenau den Haarschaft. Dadurch sitzt das Haar relativ locker in der Kopfhaut. Um das Lose-Anagen-Haar-Syndrom sicher diagnostizieren zu können, müssen die ausgezupften Haare weiter untersucht werden.
Trichogramm
Trichogramm: Entnahme von Haaren aus der Kopfhaut
2. Trichogramm
Mit Hilfe eines Trichogramms, einer Untersuchung der Haarwurzel, erfährt der Arzt mehr über eine vorliegende Krankheit. Für die Diagnose von krankhaftem Haarausfall hat das Trichogramm die gleiche Bedeutung wie ein Blutbild für die Diagnose anderer Krankheiten. Dazu entnimmt der Arzt dem Patienten an exakt festgelegten Stellen etwa 50 Haare mitsamt der Wurzel. Mikroskopisch untersucht er dann deren Entwicklungsstadien und Zustand.
Im Zuge der Auswertung vergleicht der Arzt die Trichogramme der verschiedenen Kopfzonen. Verkrümmungen der Haarwurzel lassen gewöhnlich auf Ernährungsstörungen schließen. Befinden sich hingegen zwischen 30 und 50 % der Haare in der dem Ausfallen vorangehenden Ruhephase, könnte ein erblich bedingter Haarausfall vorliegen. Für die androgenetische Alopezie ist ebenfalls ein schubartiger Verlauf des Haarschwundes typisch. Ein zwischenzeitlich weitgehend normales Trichogramm zeigt dann die so genannten Interimszeiten an. Es sind die Phasen, in denen der Haarausfall temporär zum Stillstand kommt. Da es sich bei einem Trichogramm um die Untersuchung epilierter Haare (s.o.: Epilationstest) handelt, kann der Arzt den zu erwartenden Haarausfall voraussagen. Bei einem kreisförmigen Haarausfall liefert das Trichogramm ähnliche Ergebnisse wie bei der androgenetischen Alopezie. Auch hier ist der Anteil der Haare, die kurz vor dem Ausfallen stehen (Telogenhaare), erhöht. Der prozentuale Anteil kann jedoch bis zu 80 % ausmachen. Ein weiteres Anzeichen für diesen Krankheitstyp sind unregelmäßige Farbstoffablagerungen am Haarschaft. Finden sich am Rand der haarlosen Bereiche gehäuft Telogenhaare, muss mit einem weiteren Fortschreiten der Erkrankung gerechnet werden.
3. Untersuchung ausgefallener Haare
Für die Diagnose der Form und Ursache des Haarausfalls kann auch die mikroskopische Untersuchung bereits ausgefallener Haare wichtige Hinweise liefern. Patienten müssen dazu etwa zehn Tage lang täglich ihre Haare sammeln und nach Datum geordnet sortieren. Der Arzt wertet dann den Wurzelzustand und eventuelle Veränderungen der Haare aus.
Anagenhaare
Anagenhaare befinden sich in der Wachstumsphase und haben meist eine gebogene Wurzelspitze und eine ausgeprägte Wurzelscheide. Sie sind gesund und lassen sich nur durch heftiges Reißen von der Kopfhaut lösen.

Katagenhaare
Katagenhaare sind bereits voll ausgewachsene Haare, die sich im Übergangsstadium von der anagenen zur telogenen Phase (Ruhephase vor dem Ausfall) befinden. Wird bei einer Haaranalyse ein erhöhter Anteil an Katagenhaaren festgestellt, weist dies auf eine Wurzelschädigung hin.
Telogenhaare
Telogenhaare haben keine Wurzelscheide mehr. Das Haarende ist kolbenartig geformt, der Haarschaft von starrer, gerader Struktur. Die Haarwurzeln der ausgewachsenen Haare im Ruhestadium sterben bald ab, die Haare fallen aus. Bei einem Telogenhaar-Anteil von über 30 % ist der Haarausfall meist erblich bedingt.
Dystrophische Haare sind in ihrer Struktur krankhaft veränderte Haare, die wie ein gespitzter Bleistift aussehen. Diese Veränderung kann u. a. durch Medikamente der Chemotherapie verursacht werden.
Abgebrochene Haarschäfte können die Folge einer Mangelerscheinung des Körpers sein. Sobald diese behoben ist, wächst das Haar wie gewohnt weiter.
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